Unterricht auf Distanz an der GGS Rösrath

Bei der Entwicklung unseres Konzeptes zum “Unterricht auf Distanz” war es uns wichtig auf die Strukturen, Inhalte und Methoden zurückzugreifen, die wir im Präsenzunterricht als Grundlage guten Unterrichts an unserer Schule etabliert haben. Zudem bieten vertraute Strukturen und Abläufe Kindern, Eltern sowie Lehrpersonen Sicherheit und ermöglichen ein hohes Maß an echter Lernzeit.

Als “Schule der Vielfalt” ist uns klar, dass dieses Konzept nicht für alle Schüler_innen unserer Schule genau das Richtige sein kann. So wie wir im Präsenzunterricht unterschiedliche Lernwege, Methoden und Lernzeiten ermöglichen, werden wir auch oder gerade im Unterricht auf Distanz individuelle Lösungen ermöglichen.

Die einzelnen Unterrichtselemente, die diesem Konzept zu Grunde liegen, sind in der folgenden Grafik dargestellt.  Sie gelten für den Präsenzunterricht, den Unterricht im Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzphasen (im Folgenden “Wechselunterricht” genannt) genauso wie für den Unterricht auf Distanz.

Im Anschluss an diese Grafik werden weitere Aspekte unseres Konzeptes erläutert.

Abschließend werden die verschiedenen Elemente in Bezug auf deren Umsetzung im Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht tabellarisch dargestellt.

1. Tagesstruktur

Um im Unterricht auf Distanz die gewohnten Strukturen des Schultages beizubehalten, erhalten die Kinder einen Stundenplan, der Lernzeit, bewegte Pausen und Fachunterricht (offene, ergiebige Aufgabenstellungen) in differenziertem Zeitumfang beinhaltet.

(Der folgende Link führt zu einem Video, das zeigt, wie die Lernzeit während der Präsenzzeit aussieht:
» GGS Rösrath Lernzeitfilm . Der Verlauf entspricht dem im Distanzunterricht.)

Der gesamte Unterricht findet online in einer Videokonferenz statt. Kinder, die an dieser nicht oder nur teilweise teilnehmen können, erhalten die Aufgaben über Logineo.

Daraus ergibt sich folgender Zeitplan:

Die tägliche Lernzeit beginnt – wie in der Schule – gemeinsam mit einem die Arbeitsphase strukturierenden Anfangskreis und endet mit einem Abschlusskreis, in dem das Lernen reflektiert und Fragen geklärt werden. Der Ablauf der beiden Kreise ist inhaltlich den veränderten Rahmenbedingungen der Arbeit zu Hause angepasst. Nach der Lernzeit beginnt eine angeleitete Bewegungspause der Sportfachschaft (Videokonferenz oder Video) und eine Frühstückspause. Danach beginnt der zweite Unterrichtsblock mit offenen, ergiebigen Aufgaben des Fachunterrichts (Beispiele für ergiebige, offene Aufgaben befinden sich auf unserer Homepage unter » Aktuelles).

Auch im Unterricht auf Distanz findet alle zwei Wochen eine Lernberatung mit jedem Kind statt. In der Lernberatung wird zunächst die Lernentwicklung der letzten zwei Wochen anhand der Selbsteinschätzung der Kinder reflektiert. Anschließend setzt sich das Kind mit Hilfe der Lehrperson Ziele für die kommenden zwei Schulwochen. Dabei orientieren sich Lehrperson und Kind am Deutsch- bzw. Matheplan.

Hinter jedem Themenfeld der beiden Pläne verbirgt sich eine kompetenzorientierte Lernübersicht, mit deren Hilfe sich das Kind den neuen Lerninhalt erarbeiten kann (ausschließlich die Bereiche der Lernübersicht, die es nach einer vorherigen Diagnostik noch nicht beherrscht). Die Inputphasen (Workshops) werden in Form von Erklärvideos oder Workshops im Rahmen von Videokonferenzen angeboten. Daher gibt es die Lernübersichten sowohl in Papierform als auch in Form eines Padlets auf der Homepage:

Lernübersicht in Papierform

Lernübersicht als Padlet

Neben dem persönlichen Gespräch während der Lernberatung hat jedes Kind die Möglichkeit individuelle Gespräche mit der Lehrperson zu vereinbaren.

Alle zwei Wochen findet ein Klassenrat mit allen Kindern statt (Videokonferenz).

Neben der Begleitung der Kernunterrichtszeit am Vormittag bietet nachmittags jede Lehrperson zusätzlich eine 60-minütige Sprechzeit als Videokonferenz oder per Telefon an, damit auch die Kinder, die vormittags keine Möglichkeit haben, an den Aufgaben zu arbeiten, von der Lehrkraft begleitet werden.

Findet der Unterricht im Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht statt, nehmen die Kinder, die jeweils zu Hause arbeiten, per zugeschalteter Videokonferenz am gemeinsamen Anfangskreis, der Lernzeit und dem Abschlusskreis teil. Nach dem Abschlusskreis arbeiten sie an offenen Aufgaben der Fächer weiter. Außerhalb des Unterrichts gibt es am Nachmittag eine feste Sprechstunde als Angebot.

Die Kernarbeitszeit endet für die Kolleg_innen um 16 Uhr. Nachrichten (im Chat oder per Mail), die danach kommen, werden in der Regel erst am nächsten Tag beantwortet.

2. Helfersystem

Das in den Klassen etablierte Helfersystem wird im Unterricht auf Distanz fortgesetzt. Hierfür werden im Anfangskreis Helferkinder festgelegt. Diese können den anderen Kindern in der Videokonferenz helfen und/oder für längerer Erklärungsphasen mit in einen Breakoutraum gehen (“Helferraum”). So können die Kinder nicht nur von der Lehrperson, sondern wie gewohnt auch von ihren Mitschüler_innen Hilfe erhalten.

Parallel dazu können die Kinder bei Problemen auch immer die Lehrperson in der Videokonferenz oder in der Sprechstunde fragen.

3. Lernpartner_innen

Bei unserer Arbeit im Präsenzunterricht gibt es je nach inhaltlichem Thema Lernpartner_innen. So arbeiten z.B. an unseren Geometriekisten immer zwei Kinder zusammen.
Lernpartner_innen arbeiten auch im Unterricht auf Distanz zusammen. Sie tauschen sich über Chat, Telefon bzw. in Videokonferenzen miteinander aus und bearbeiten die Aufgaben so gemeinsam.

4. Vorbereitung der Lernaufgaben

Das Kollegium arbeitet kontinuierlich an der Entwicklung hybrider Aufgabenformate:

  1. a) Die vorhandenen analogen Lernübersichten werden in hybride Lernübersichten umgewandelt, indem Workshops durch Erklärvideos ersetzt werden und Aufgabenstellungen an die digitalen Möglichkeiten (z.B. Videokonferenzen) angepasst werden. Die hybriden Lernübersichten werden in Form von Padlets auf der Homepage der Schule zur Verfügung gestellt.
  2. b) Die Fachgruppen erweitern den Pool mit ergiebigen, offenen Aufgaben für alle Fächer (Dies sind Aufgaben zu einem gemeinsamen Thema, die so gestellt sind, dass sie jedem Kind einen Lernzuwachs ermöglichen, indem es seinem Lernstand entsprechend sinnstiftend daran arbeiten kann). Die Aufgaben werden so erstellt, dass sie gleichermaßen im Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht genutzt werden können.

5. Kooperative Lernformen

Bei der Entwicklung der Lernaufgaben durch das Kollegium wird auf die Möglichkeit der Zusammenarbeit und des Austausches durch kooperative Lernformen geachtet. Für die kooperativen Lernformen werden Videokonferenzen und/oder entsprechende Apps genutzt.

6. Einzelne Kinder in Quarantäne

Befinden sich einzelne Kinder in Quarantäne, wird wie beim Unterricht im Wechsel verfahren: Die Kinder nehmen am Anfangs- und Abschlusskreis per Videokonferenz teil. Im Anschluss an den Abschlusskreis wird mit dem einzelnen Kind die Weiterarbeit an den offenen Aufgabestellungen des Fachunterrichts besprochen. Dies kann auch nachmittags in einer Videokonferenz erfolgen. Einmal in den zwei Wochen wird eine Lernberatung durchgeführt. Zumindest einmal am Tag sollte der Kontakt zur Lehrperson gesucht werden (parallel zum Unterricht, per Videoberatung, im Chat, …).

7. Lehrer_in in Quarantäne

Befindet sich die Lehrperson in Quarantäne, kommt es zu der üblichen Vertretungssituation durch eine andere Lehrkraft. Die Lehrperson in Quarantäne übernimmt jedoch, wie auch normalerweise, die Lernberatungen von zu Hause aus (z.B. über Videokonferenzen). Während der Lernzeiten ist die Lehrperson per Videoschalte anwesend und kann auf diese Weise Hilfestellung leisten und unterstützen.

8. Lehrer_in ist erkrankt

Die Vertretungskraft übernimmt mit Unterstützung der Teamkolleg_in den Präsenz-, Wechsel- oder Distanzunterricht.

9. Leistungsbeurteilung

In der Regel werden die im Distanzunterricht erbrachten Leistungen in die Bewertung der sonstigen Leistungen im Unterricht einbezogen. Zu “sonstigen Leistungen” im Unterricht gehören u. a. die Qualität der Mitarbeit, Engagement und Interesse an Lerngegenständen sowie das Anfertigen und Durchführen von Präsentationen von Arbeitsergebnissen.

Im Distanzunterricht kann eine Beurteilung beispielsweise über von Schüler_innen erstellte Audiofiles, Erklärvideos oder im Rahmen von Videokonferenzen im gemeinsamen Austausch geschehen. Dabei können auch Projektarbeiten (z. B. Plakate oder Powerpoints), das Erstellen von E-Books oder das Bearbeiten von kollaborativen Schreibaufträgen berücksichtigt werden.

Klassenarbeiten und Prüfungen finden (in der Regel) im Rahmen des Präsenzunterrichts statt. Diese können auch auf Inhalten des Unterrichts auf Distanz aufbauen.

10. Asynchrones Lernen im Präsenzunterricht

Die durch den Unterricht auf Distanz neu gewonnenen Kommunikationswege werden nun auch im Präsenzunterricht genutzt, um asynchrones Lernen zu ermöglichen:

  • Lernvideos können von den Kindern dann angesehen werden, wenn sie die vorbereiteten Inputs benötigen (als Wiederholung, Einführung, in der Schule oder zu Hause). Dafür wird der Pool an Erklärvideos laufend ausgebaut.
  • Die Kinder als Zielgruppe der Lernvideos werden an deren Produktion beteiligt, indem sie diese entweder selbst drehen oder auf deren Verständlichkeit hin überprüfen (Checkerteam).
  • Lernaufgaben aus den Fachgruppen werden auch über die Lernplattform zur Verfügung gestellt und können so orts- und zeitunabhängig genutzt werden.

Fazit

Mit unserem Konzept zum Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht verfolgen wir das Ziel, Kindern unabhängig vom Unterrichtsort verlässliche Strukturen zu bieten, in denen

  • das einzelne Kind und seine individuelle Förderung durch Diagnostik und Lernberatung im Vordergrund stehen.
  • inhaltlicher Austausch und gemeinsame Reflexionen durch kooperative Lernformen, Lernpartner*innen, Abschlusskreise und das Helfersystem Platz finden.
  • die kreative und individuelle Auseinandersetzung mit Themen durch den Einsatz verschiedener Lernwege (Plakate, PowerPoint, Ebook, Papier, Video, Audio…) über die Lernplattform (Logineo), Videokonferenzen oder den Präsenzunterricht unterstützt werden.
  • das soziale Miteinander durch gemeinsame Anfangs- und Abschlusskreise, das Helfersystem, Lernpartner*innen, kooperative Lernformen und den Klassenrat gestärkt wird.

Unser Konzept wird von allen schulischen Gruppen regelmäßig evaluiert und gegebenenfalls angepasst.